Ängste überwinden

Wir befinden uns in einer krisenhaften Situation und bekommen vermittelt, dass das jetzt die Ruhe vor dem Sturm ist – so warnt uns die Regierung. Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 werden verschärft, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten und somit Menschenleben zu retten. Das ist richtig und wichtig. Aber es kann auch die Ängste verstärken, die wir eigentlich überwinden wollen.

Angst vor dem Unbekannten

In Österreich wird Toilettenpapier gehamstert, in den USA werden verstärkt Waffen gekauft. Wir reagieren auf das Unbekannte, das wir nicht einschätzen können, mit Unsicherheit und Angst. Wie können wir dieser Angst begegnen?

Es gibt eine Reihe von Strategien, die wir hier anwenden können, natürlich individuell höchst unterschiedlich wirksam. Jeder und jede von uns hat im Laufe des Lebens solche Strategien entwickelt. Manche dieser Strategien waren in der Vergangenheit hilfreich und sind es noch, manche sind für die gegenwärtige Situation nicht anwendbar, andere waren nie besonders sinnvoll.

Ängste wahrnehmen, annehmen, aushalten und loslassen

Angst kann uns überwältigen, sie kann sich aber auch ganz still in unser „System Mensch“ schleichen und uns einnehmen.

Angstsymtome

  • kalte Hände und kalte Füße
  • Herzklopfen
  • Muskeln spannen sich an, oft besonders im Nacken und Kiefer, Muskelzittern kann auftreten
  • der Mund wird trocken
  • der Magen fühlt sich flau an
  • der Kopf wird leer oder komplett verwirrt, wir können keinen klaren Gedanken mehr fassen
  • wir wollen weg, raus aus dieser Situation – die Fluchtreaktion auf Stress
  • manche werden aggressiv – die Kampfreaktion auf Stress

Wenn wir solche körperlichen Phänomene spüren und nicht wissen was los ist, können wir uns fragen, ob wir von Angst überfallen werden. Wir können unsere Aufmerksamkeit und Wahrnehmung sowohl auf einer körperlichen wie auch auf einer gefühlsmäßigen und gedanklich-geistigen Ebene durch Achtsamkeitsübungen stärken. Ziel davon ist, Klarheit zu haben, was in diesem Moment in Körper und Geist vorgeht.

Mehr zur Achtsamkeit HIER.

Kurzer Körperscan zum Anhören oder Download

Angst hat viele Symptome und diese zu kennen, hilft uns zu wissen, was los ist

Und das gibt ein Stück Sicherheit, denn das Unbekannte, das was wir nicht zuordnen können, macht uns am meisten Angst.

Ängste überwinden durch Annehmen

Wichtig ist zu wissen, dass Angst und Furcht etwas ganz Normales und Universelles ist. Ängste zu verdrängen, zu verharmlosen, lächerlich zu machen ist nicht hilfreich, ja kontraproduktiv. Die Grundfunktion von Angst ist uns zu schützen, also eine positive. Aber Angst kann sich auch selbständig machen, irrational werden und überschießen, sich also von der realen Situation gänzlich lösen.

Wir können Angst in seine Bausteine zerlegen und uns diese anschauen. Was wir damit machen, ist einerseits, sie mit einer gewissen Neugier zu betrachten, sie zu erforschen, womit wir Abstand bekommen. Andererseits werden wir entdecken, dass Angst ein Phänomen ist, das aus verschiedenen Bausteinen besteht, die wir betrachten können, die uns nicht überwältigen, die wir annehmen können.

Die körperlichen Bausteine der Angst, die Symptome, wurden bereits erwähnt. Angst kann auch verschiedene Emotionen beinhalten wie Besorgnis, Furcht, Grauen, Entsetzen, Panik,…. Wie fühlen sich diese Emotionen im Körper an, wo sind sie wahrnehmbar, welche Temperatur haben sie, verändern sich sich? Angst hat auch eine gedankliche Ebene und Gedanken schaffen wieder Emotionen und Gefühle.

Ängste überwinden durch Aushalten

Wir können Angst auf verschiedene Weise annehmen und aushalten: indem wir sie in ihre Teile zerlegen – diese sind dann weniger bedrohlich und leichter annehmbar. Wir können einen Perspektivenwechsel vollziehen und Angst als Lehrer sehen, denn wenn wir die Angst zulassen, können wir sehr viel über uns selbst lernen. Vor allem können wir lernen, dass wir viel mehr aushalten als wir denken, wenn wir einmal nichts tun und die Dinge sein lassen, wie sie sind (so wir objetkiv nichts daran ändern können). Wir können Angst als Illusion sehen, in der uns unser Geist Objekte und Situationen als real erleben lässt. Wenn wir nicht darauf einsteigen, vergeht die Angst meist wieder. Wenn wir uns hineinsteigern, verstärken wir sie.

Wir können uns aber auch selbst umarmen, mit Selbstmitgefühl reagieren, uns trösten in der Situation. Selbstmitgefühl lässt sich entwickeln, die Fähigkeit sich selbst liebevoll zu behandeln verleiht uns emotionale Stabilität und Stärke.

Selbstmitgefühl

Ein erster Schritt ist hier auch wieder das Annehmen und Zugeben unserer Angst. Zum Selbstmitgefühl wie auch zum Mitgefühl für andere gehören freundliche Gefühle für das Leiden das wir durch Angst erleben. Uns aktiv selbst trösten heißt Frieden mit uns selbst schließen, indem wir uns Wärme, Freundlichkeit, Geborgenheit und Sympathie entgegenbringen.

Hier finden Sie schöne Übungen zum Thema.

Es gibt unmzählige hilfreiche Ansätze, um mit Angst umzugehen. Wichtig bei Angsterleben ist, sich mit der Angst zu beschäftigen ohne sich ihr hinzugeben. Angst ist Teil des Spektrums menschlichen Erlebens. Da ist nichts falsch, wenn wir Angst erleben, weder mit unserem Leben noch mit uns selbst. Sich mit der Angst auseinandersetzen und sie dann aber auch wieder loslassen nach dem Motto „So, jetzt habe ich meine momentanen Ängste wahrgenommen, betrachtet und gesehen, dass ich sie aushalten kann und jetzt mache ich wieder etwas Anderes.“

Ich hoffe, Sie finden hier ein paar hilfreiche Anregungen! Ich wünsche Ihen Gesundheit auf allen Ebenen, bleiben Sie gesund und halten Sie durch!

Bei Fragen kontaktieren Sie mich telefonisch oder besser noch per Email: harald.reiter@shiatsu-im-raum.at. Eine Erstberatung im Ausmaß von 30 Minuten ist kostenlos. In dringenden Fällen und wenn Sie mich nicht erreichen HIER noch eine Seite, wo Sie kostenlose Krisenintervention bekommen können. http://www.sos-corona.at

Gedicht über das Nichtstun

Quellen: