mitfühlen ohne mitzuleiden

Hinweis auf 3 Online – Meditationsabende zum Thema mitfühlen ohne mitzuleiden: an Mittwochen von 19 bis 21 Uhr, Termine 22. und 29. April sowie 6. Mai 2020- mehr Infos HIER

Manchmal ist es ganz schön schwierig, ein Mensch zu sein. Wahrscheinlich kennen viele von uns das Gefühl, in dieses Leben hineingeworfen worden zu sein. Wenn es uns gut geht, wenn das Leben sich entfaltet wie wir uns das wünschen, ist dieses Gefühl oder sind entsprechende Gedanken meist im Verborgenen. Wenn es aber nicht nach Plan läuft, kann diese Wahrnehmung sehr deutlich in den Vordergrund drängen. Niemand hat uns gefragt, ob wir hier sein wollen, wir wissen im Grunde nicht wirklich, was im nächsten Moment passieren wird und wann das alles wieder enden wird. Was es in solchen Situationen braucht – nicht nur, aber auch – ist Mitgefühl.

Manchmal ist es ganz schön schwierig, ein Mensch zu sein

Wir werden in diese Welt geboren, entwickeln uns und altern. Dazwischen sind wir Krankheiten ausgesetzt und früher oder später verlassen wir diese Existenz wieder. In Zeiten wie diesen wird uns das sehr deutlich vor Augen geführt. Es ist gut, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, aber wenn wir das nicht gewohnt sind und wir in eine kritische Situation kommen, kann uns das sehr stark herausfordern.

Mitgefühl zu üben – ist eine sehr weise Möglichkeit, mit uns und anderen umzugehen. Sind wir mit dieser Fähigkeit geboren oder müssen/können wir das erlernen?

Mitgefühl ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Und es ist eine Fähigkeit, die wir mehr oder weniger mitbringen, so wie wir andere Fähigkeiten auch in unterschiedlichem Ausmaß mitbringen. Dann entwickeln wir uns, werden von unserer Umgebung und den Menschen um uns geformt. Und irgendwann sind wir dann erwachsene Menschen. Bis dahin oder vielleicht dann im Erwachsenenleben haben wir oft auch manches verloren, sind abgestumpft, überreizt und hören die feinen Töne in uns nicht mehr. Und dann kann es schon vorkommen, dass wir nicht mit dem zufrieden sind, wie wir sind. Vielleicht erkennen wir, dass wir nicht mitfühlend sind, vielleicht merken wir, dass wir uns mit dem Leid anderer identifizieren und mitleiden. Und vielleicht haben wir schon gemerkt, dass wir dann nicht wirklich handlungsfähig sind.

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Mitgefühl lässt sich kultivieren

Mitleid ist ein wenig wie in ein brennendes Haus zu gehen und mit dem darin befindlichen Menschen gemeinsam um Hilfe zu rufen, anstatt die Feuerwehr zu rufen. Der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl ergibt sich schon aus den Worten. Mitleid heißt mit-leiden. Man leidet mit der betreffenden Person, verbindet sich emotional mit ihr und ihrem Leiden. Wir versetzten uns selbst in ihre Situation, stellen uns vor, selbst in dem brennenden Haus zu sein – und diese Vorstellung schmerzt.

Mitgefühl hingegen heißt mit-fühlen. Man fühlt sich in die Lage der Person hinein, kann ihr Leiden nachvollziehen, aber aus einer objektiven Sichtweise – man leidet nicht mit, weil man einen emotionalen Abstand zu ihr hat und sich nicht an ihre Stelle setzt und ihren Schmerz selbst leidet. Bezogen auf den Menschen im brennenden Haus würde man die Feuerwehr rufen und dann zusehen, ob man bis zu deren Eintreffen sonst etwas Hilfreiches tun kann.

Der emotionale Aspekt – mit-zu-leiden bzw. mit-zu-fühlen ist der Hauptunterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl. Wenn wir Mitleid empfinden, machen wir das Leiden einer anderen Person zu unserem eigenen Leiden, haben keine Hoffnung auf Linderung dieses Leidens, fühlen uns hilflos und werden selbst unglücklich. Wenn wir uns im Herzenszustand des Mitfühlens befinden, nehmen wir Anteil, ohne uns zu identifizieren, haben Hoffnung, überlegen was wir tun können und fühlen uns zuversichtlicher.

Gleichmut in der Krise – mitfühlen ohne mitzuleiden

Mitgefühl hat sehr viel mit Weisheit zu tun. Mitgefühl ist das Vermögen, sich tief und umfassend einzufühlen, ohne selbst zu leiden. Im Buddhismus geht es unter anderem darum, diese Qualität des tief zuhörenden, lauschenden Herzens zu kultivieren und zu entwickeln. Man übt, das Herz so zu öffnen und zu weiten, dass es alles einschließt und die Verbindung zu allen Wesen wahrnimmt. Mitgefühl und Weisheit werden als die beiden Flügel eines Vogels bezeichnet. Weisheit ohne Mitgefühl steht nicht im Dienste der Leidminderung, Mitgefühl ohne Weisheit kann schnell in Mitleid abgleiten.

Wir können aus dem Mitleid aussteigen, indem wir uns bewusst werden, dass das Leiden eines anderen Menschen nicht unser eigenes Leiden ist. Der beste mir bekannte Weg, um zu erkennen was meine Erfahrung wirklich ist, ist Achtsamkeitsmeditation. Durch die Entwicklung von Achtsamkeit werden wir feinfühlig für das, was in einer anderen Person vorgeht, wie es ihr geht. Und gleichzeitig sehen wir unsere Reaktion darauf. Wir sehen die Schwierigkeiten einer Person und ihren Schmerz, können unser Herz öffnen und uns einfühlen, können wahrnehmen, was sich in unserem Herzen abspielt und auch, dass das Leiden der anderen Person nicht unser eigenes Leiden ist. Das zu betrachten, morgens, untertags, abends, dient der Entwicklung einer mitfühlenden Haltung, ohne mitzuleiden. Denn wir erkennen, dass genauso wie wir selbst, jeder Mensch das Bedürfnis nach Glück und Zufriedenheit in sich trägt. So wie wir will jeder Mensch Leid verhindern und doch kennt jeder Mensch so wie wir Sorgen, Traurigkeit, vielleicht Verzweiflung.

Wenn wir uns dessen bewusst werden, werden wir versuchen, Leid zu lindern, wo es möglich ist. Wir werden aktiv. In dem wir Achtsamkeit kultivieren und das Weiten unseres Herzens, entfalten wir Mitgefühl ohne Mitleid. Wir können so nicht nur Mitgefühl für andere, sondern auch Mitgefühl für uns selbst entwickeln.

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Quellen:

  • „Warum du Mitgefühl aus deinen Gefühlen streichen solltest“, http://www.zeitzuleben.de
  • „Mitgefühl üben“, Stocker, Willms, Koster, Brink
  • „Broad view, boundless heart“, Ajahn Pasanno & Ajahn Amaro