Suche

Shiatsu – Beratung – Meditation

Schlagwort

Körpermeditation

Shiatsu wirkt – und wie!? – Teil 2

Im 2. Teil der Serie „Shiatsu wirkt – und wie?!“ möchte ich den Versuch unternehmen, auf die Frage Was ist Shiatsu überhaupt? einen Überblick zu geben.

Was ist Shiatsu?

Shiatsu ist eine recht junge Kunst mit sehr alten Wurzeln. In der etwa 100jährigen Geschichte von Shiatsu haben sich alte Techniken wie das japanische Anma, Akupressur und moderne westliche Methoden vor dem Hintergrund der Jahrtausende alten Traditionellen Chinesischen Medizin als physiologischer Grundlage zu einem Ganzen zusammengefügt. Und dieser Prozess ist nicht abgeschlossen, da Shiatsu an sich ein Prozess ist. Die Methode entwickelt sich ständig weiter und verändert sich.

Verschiedene Stile im Shiatsu

Tokujiro Namikoshi hat einen Shiatsu-Stil in Japan begründet,  den er nach dem 2. Weltkrieg in die USA gebracht hat. Dieser Stil ist heute noch der vorrangige Stil in Japan. In den 1970er Jahren hat Shizuto Masunaga einen neuen Stil entwickelt, der weniger mit den Akupunkturpunkten (Tsubos in japanisch) arbeitet und  vielmehr mit den Meridianverläufen in ihrer Gesamtheit. Auch er hat seinen Stil in die USA gebracht und die meisten der heute international bekannten Shiats-Lehrer lernten bei ihm. Auch mein Lehrer, Tomas Nelissen, hat in Japan bei Masunaga gelernt und dort mit ihm gearbeitet. Masunaga nannte seine Methode Zen-Shiatsu.

Zen – Shiatsu

Masunaga führte die bekannten Shiatsu-Techniken mit der Meridian-Lehre und psychologischen Betrachtungen zusammen. Zen betont dabei den meditativen Charakter dieses Stiles, die Achtsamkeit und die Absichtslosigkeit der Berührung. Das Zen-Shiatsu Masunagas arbeitet dabei mehr als andere Stile mit den Energieströmen in unserem Körper – den Meridianen – deren Behandlung seit tausenden von Jahren die Grundlage von Akupunktur und Akupressur ist.

Meridiane

An der Oberfläche und in der Tiefe unseres Körpers bilden die Meridiane ein weit verzweigtes Netz von Energiekanälen, welche die Lebensenergie Ki (japanisch) zu allen seinen Teilen und Organen führen. An der Oberfläche sind diese Kanäle für die Hände direkt erreichbar, was die Gundlage für Shiatsu bildet. Diese Kanäle stehen im Vordergrund sowohl des Zen-Shiatsu von Masunaga wie auch des Hara – Shiatsu von Tomas Nelissen, wie ich es in meiner Grundausbildung lernen durfte. Die auf den Meridianen gelegenen Tsubos oder Meridianpunkte spielen eine untergeordnete Rolle und werden ergänzend eingesetzt.

Ziel der Arbeit mit Shiatsu ist es,

den Fluß der Lebensenergie Ki zu unterstützen. Der Fluss der Lebenskraft in den Meridianen ist Ausdruck des Flusses der Lebensenergie in uns. Ist dieser Fluß ein ungehinderter Strom, dann erleben wir seelisches, geistiges und körperliches Wohlergehen. Blockaden dieses Stromes entstehen,  wenn wir Teilen unseres Herz-Geistes oder unseres Körpers  keine Aufmerksamkeit schenken, wenn wir uns dieses Flusses verschließen. Der Strom stagniert und auch unsere Weiterentwicklung stagniert auf den unterschiedlichen oder gar auf allen Ebenen. 

Wenn das Ki stagniert

Stagnationen im Ki- Fluss sind ganz normal und sind nicht gleich mit Krankheit gleichzusetzen. Jeder von uns hat sein ganz individuelles Stagnationsmuster, welches man als Ausdruck unserer Persönlichkeit ansehen kann. Krankheit setzt dort an, wo Stagnation und Imbalance bereits vorhanden sind. Die Art wie ich lebe, denke und fühle ist Ausdruck meiner Muster und bildet gleichzeitig diese Muster, verfestigt sie oder weicht sie auf, je nachdem ob ich daran festhalte oder sie auflöse.

Hier setzt Shiatsu an – dort wo die Lebensenergie Ki stagniert, blockiert, vielleicht resigniert.

Wenn im Shiatsu körperlicher Schmerz auftritt, dann ist dieser immer auch Ausdruck eines seelischen Schmerzes. Dieser Schmerz weist uns auf etwas hin, wo wir schon länger nicht hingesehen haben, wo wir das Ki in unserem Erleben angehalten haben. Die Freisetzung des Energiestromes im Shiatsu bedeutet immer einen Entwicklungsschritt in Richtung Ganzwerdung oder Heilwerdung in dem Sinne. Shiatsu ist besonders wertvoll, wenn wir gesund sind, um die Gesundheit, die Balance und den Energiefluß aufrecht zu erhalten. Wie im ersten Teil der Serie im Überblick über die Studien bereits aufgezeigt, kann Shiatsu aber auch bei Erkrankungen unterstützend wirken. Darüber werde ich im Einzelnen dann in späteren Artikeln eingehen.

Hara – Shiatsu

Hara – Shiatsu ist wie bereits erwähnt jener Stil, den ich in meiner Shiatsu – Grundausbildung lernen durfte und den ich hoch schätze. Hara Shiatsu verbindet medizinische Ansätze, östliche Philosophie und moderne Coaching-Ansätze (auch zu diesen Themen wird es eigene Blogartikel geben). Als Grundlage gilt: Krankheiten und persönliche Problemstellungen sind Zustände. Jeder Zustand kann sich verändern, wenn die Bedingungen dafür geschaffen werden. Hara Shiatsu ist ein ganzheitlicher Ansatz, der neben Shiatsu-Behandlungen auch Ernährung, Körper- und Entspannungsübungen umfasst. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte aktiviert, Gesundheit und Vitalität werden gefördert. 

Doch was genau bedeutet Hara?

Der Begriff Hara wird im japanischen Alltagsverständnis üblicherweise mit Bauch übersetzt und meint den Körperbereich vom Magen bis einschließlich Unterleib. Im Hara – Shiatsu wird das Hara selbst enger definiert: „Das Hara befindet sich ungefähr drei Zentimeter unterhalb des Nabels.“ Aber, und das ist klassisch für fernöstliche Sichtweisen, gleichzeitig auch viel weiter: „Unsere Kraft und Lebensenergie haben ihren Ursprung im Hara. Das Hara kann für uns eine Quelle sein, um unsere schöpferische Kraft zu entfalten.

Die entscheidende Frage ist: Haben wir unsere Mitte bereits gefunden?

Oder haben wir unsere Mitte bereits verloren? Ohne Mitte stehen wir „neben uns“, sind nicht wirklich der Kapitän auf unserem Schiff, lassen uns vom Leben treiben, ohne dieses aktiv zu gestalten. Nur aus unserer Mitte heraus können wir die volle Verantwortung für alle Aspekte unseres Seins übernehmen. Das ist die Idee von Hara Shiatsu.“Hara ist also die Mitte und in der Mitte oder im Mittelpunkt von Shiatsu steht der Mensch mit seinem Potential und seinen Bedürfnissen: körperlich, geistig und emotional. Wenn diese Bereiche in ihrem Kern erfasst und zu einem Ganzen zusammengeführt werden, dann fühlen wir uns wohl in unserem Leben. Das ist das Ziel von Shiatsu.

Shiatsu ist Meditation

Wenn ich mit Shiatsu arbeite, so ist der Fokus auf der Stimulierung des Ki. Die meisten Techniken beruhen darauf, dass ich mit dem Handballen oder dem Daumen an einer Stelle des Körpers einsinke und dann dem Meridianverlauf folgend auf einer nächsten Stelle usw. Dieses Einsinken und Halten erzeugt einen Druck, der sich aus meinem Körpergewicht je nach Dosierung, aus meiner Ausatmung und einem mentalen Fokus zusammensetzt. Daraus ergibt sich die besondere Qualität der Berührung, die absichtslos stattfindet. Die Berührung geschieht also ohne Anstrengung.

Als Shiatsu-Praktiker bin ich absichtslos und offen, ich suche nichts, sondern lausche dem was such zeigt.

Ich verändere nicht, sondern öffne und halte einen Raum, in dem Veränderung stattfinden kann. Ich bin Spiegel, der reflektiert, was da ist, ohne zu bewerten. So wird Shiatsu zur Meditation,  sowohl für mich als Shiatsu-Praktiker als auch für die empfangende Person. Es kann sich in der Behandlung eine tiefe Ruhe einstellen, die für die Wirksamkeit mindestens ebenso wichtig ist, wie die Arbeit mit dem Meridian oder dem Einsatz der richtigen Technik. In Shiatsu treten zwei Menschen in Beziehung, geschützt durch die Absichtslosigkeit der gebenden Person. Wir können von Kommunikation über den Körper sprechen, ich nenne das gerne Gespräch über den Körper. Als Shiatsu-Praktiker arbeite ich nicht nach einem festen Schema, es gibt keine starren Abläufe. Ich hin offen und höre zu, nehme die Sprache des Körpers wahr, die Reaktion auf meine Behandlung und passe mich an – Moment für Moment, damit die Begegnung fließend wird und bleibt.


Weitere Informationen folgen im nächsten Artikel bzw. können HIER nachgelesen werden.

Quellen:

Achtsamkeitsmeditation – Teil 2

Achtsamkeit auf den Körper

HIER können Sie sich diesen Artikel anhören!

Traditionell wird Achtsamkeit in formaler Meditation in 4 Bereichen entwickelt und geübt:

  • Achtsamkeit auf den Körper
  • Achtsamkeit auf die Gefühlstönungen
  • Achtsamkeit auf die Gedanken und Geisteszustände
  • Achtsamkeit auf geistige Prozesse

Achtsamkeit auf den Körper ist eine gute Grundlage für alle Lebenssituationen, da sie als Ruhepol dienen kann. Eine Wirkung von angewandter Achtsamkeit ist die Entwicklung und Pflege von Ruhe. Der Körper kann damit von Stress und Anspannung entlastet werden, die er aus dem Alltag ansammelt. Körper und Geist sind nicht getrennt von einander. Ein entspannter Körper unterstütz Klarheit und Ruhe in Geist und Herz. Wenn der Körper müde oder träge ist, ist auch der Geist dumpf.

Veranstaltungshinweis

Ab 12. September 2019 findet ein Einführungskurs über 4 Abende in die Achtsamkeitsmeditation in der Theravadaschule am Fleischmarkt in 1010 Wien statt, den ich leiten werden, statt. Weitere Infos HIER Anmeldung unter harald.reiter@shiatsu-im-raum.at

Im Körper sein

Wenn sich der Körper in einem ausgewogenen Zustand befindet, fühlen wir uns gut. Wir können unsere Meditation darauf ausrichten, das zu unterstützen. Wir werden uns dadurch belebt und gleichzeitig entspannt in Körper und Geist fühlen, die Energie wird steigen, aber nicht aufgeregt sein. Wenn wir die Aufmerksamkeit auf den Körper sammeln, dann werden wir im Körper ruhen. Die Geschehnisse in unserem Leben werden uns nicht so leicht ins Schwanken bringen, wir werden weniger grübeln und uns wenigner Sorgen machen und mehr Klarheit und Stabilität haben, Entscheidungen werden leichter fallen.

Achtsamkeit auf den Körper wird in formaler Meditation eingeübt. Später können wir sie in den Alltag mitnehmen. Wenn wir uns achtsam auf den Körper ausrichten, dann spüren wir was gerade vor sich geht. Wir nehmen den Körper, seine Energien und Empfindungen wahr. Wir bekommen ein Gefühl dafür, was gerade präsent ist.

Haltung

Innere und äußere Haltung sind von großer Bedeutung für die Entwicklung von Achtsamkeit. Eine körperlich aufrechte und gleichzeitig entspannte Haltung unterstützt den Geist, eben diese Haltung auch einzunehmen – wach und interessiert und zugleich entspannt. Im Körper können sich Blockaden und Spannungen lösen. Dabei geht es nicht darum, dass die Haltung gut aussieht. Sie soll vielmehr den Energiefluss im Körper unterstützen. Das geschieht auch durch eine stetige Beruhigung des Körpers durch eine andauernde und einfühlsame Einstellung. Die Geduld, die wir dafür brauchen, ist bereits eine Art, den Geist zu entfalten. Statt uns zu zwingen, gerade und aufgerichtet zu sitzen, üben wir uns in einer Haltung der Fürsorglichkeit unserem Körper gegenüber. Wir entwickeln dadurch eine sanfte Aufmerksamkeit und können uns so klar ausrichten und entspannen.

Bemühung

Die Entwicklung von Achtsamkeit braucht ein gewisses Maß an Bemühung. Wir üben uns darin, die Aufmerksamkeit gegenwärtig auf das zu halten, was da ist. Der sitzende Körper kann im Gewahrsein gehalten werden oder die Achtsamkeit kann auf den Atem gerichtet werden. Wir wollen kontinuierlich gegenwärtig sein, ohne uns zu verkrampfen, ohne etwas verändern zu wollen. Wir sind einfach präsent mit dem, was ist und bedienen uns dabei einer sanften Beharrlichkeit.

Körper und Geist sind verbunden

Die Achtsamkeit auf den Körper unterstützt einen klaren und ruhigen Geist und umgekehrt. Wir kommen als Ganzes in eine ruhige Balance. Wir erkennen das, wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit durch den Körper scannen. Da sind unterschiedlichste Wahrnehmungen im Körper, die unseren Geist beeinflussen. Ist da Anspannung oder Irritation oder Schmerz, so wird der ungeübte Geist mit eben diesen Erscheinungen reagieren. Wenn wir aber nur mit dem sind, was ist, so können wir das Geschehen beobachten und lernen, dass wir eine Wahl haben, wie wir auf äußere Einflüsse, auch körperliche, reagieren.

Formale Achtsamkeitsmeditation

Wir beginnen mit dem Üben in einem geschützen Rahmen: einem ruhigen Ort, zu einer Zeit, wo wir ungestört sind. Wir sitzen auf einem Kissen oder einem Stuhl , damit der Körper sich entspannt niederlassen kann. Später können wir auch im Stehen und Gehen sowie im Liegen meditieren. Zu Beginn ist die Anleitung durch einen Lehrer hilfreich, um Klarheit zu haben und auch Fragen stellen zu können.

Einführungskurs in die Achtsamkeitsmeditation

Ab 12. September 2019 findet ein Einführungskurs über 4 Abende in die Achtsamkeitsmeditation in der Theravadaschule am Fleischmarkt in 1010 Wien statt, den ich leiten werde, statt. Weitere Infos HIER Anmeldung unter harald.reiter@shiatsu-im-raum.at

Quellen:

Achtsamkeitsmeditation – Teil 1

HIER können Sie sich diesen Artikel anhören!

Für mich ist meine Tätigkeit sowohl als Shiatsu-Praktiker wie auch als Coach und Berater nicht nur eng mit Achtsamkeitsmeditation verbunden, sie ist eine Form der Achtsamkeitsmeditation. Warum und wie das stattfindet, und vor allem, welcher Sinn sich daraus ergibt, soll hier in diesem Artikel kurz skizziert werde.

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist heute in aller Munde,  sogar in der U- Bahn in Wien werden wir aufgefordert, achtsam zu sein und den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig nicht zu übersehen. „Achtsamkeit ist die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit auf ein Objekt oder eine Tätigkeit gegenwärtig zu halten“ ist eine Definition, die mir den Kern sehr gut zu treffen scheint. Achtsamkeit ist dabei nicht mit Konzentration gleichzusetzen. Konzentration beschreibt einen sehr fokussierten Geisteszustand. Achtsamkeit hingegen zeichnet sich durch eine Breite und Weite des Gewahrseins aus, sie ist eine beobachtende Haltung auf einer Metaebene. Studien belegen, dass Achtsamkeit und Konzentration unterschiedliche Hirnareale aktivieren.


Achtsamkeit als eine sehr alte Methode


Die Übung von Achtsamkeit findet sich bereits in Lehrreden des zum Buddha erwachten Gautama Siddharta vor rund 2500 Jahren. Dort wird die systematische Entwicklung von Achtsamkeit als Satipatthana –Methode bezeichnet, die der Überlieferung nach bereits von einem werdenden Buddha der Vorzeit, dem Bodhisatta Vipassi praktiziert wurde. Gautama Siddharta hat diese in Vergessenheit geratene Übung wiederentdeckt. Die Übung der Achtsamkeit ist somit eine sehr alte Methode. Im frühen Buddhismus wird die Satipatthanamethode als Achtsamkeit auf den Körper, die Gefühle, den Geist und die dhammas (=alle Phänomene, die nicht in die 3 anderen Kategorien passen) geübt. Der Sinn und das Ziel ist kein geringeres als das vollständige Erwachen, weitläufig als Erleuchtung bekannt.

Veranstaltungshinweis

Ab 12. September findet ein Einführungskurs über 4 Abende in die Achtsamkeitsmeditation in der Theravadaschule am Fleischmarkt in 1010 Wien statt, den ich leiten werden, statt. Weitere Infos HIER

MBSR – eine moderne Anwendung von Achtsamkeit


Jon Kabat-Zinn ist Gründer der Stress Reduction Clinic (1979) und hat die Methode MBSR entwickelt. „Das Programm der Stressklinik basiert auf dem systematischen Training der Achtsamkeit, einer Form der Meditation, die in den buddhistischen Traditionen Asiens entwickelt wurde“. Er wurde  international bekannt durch den Einsatz der Achtsamkeitsmeditation als Hilfe für seine Patienten im Umgang mit Stress und chronischen Schmerzen. Seit seinem Bestehen hat die Methode MBSR hunderttausenden von Menschen geholfen, besser mit Stress, Schmerz und chronischen Krankheiten umzugehen. MBSR ist mittlerweile auch in Europa weit verbreitet und spezielle 8Wochenkurse werden vor allem außerhalb des stationären Settings angeboten. Mittlerweile werden Achtsamkeitstrainings auch in Firmen und Einrichtungen immer beliebter und zeigen eine positive Wirkung – sofern Achtsamkeit praktiziert wird. Achtsamkeit können wir nicht erlernen in dem Sinne, dass wir sie dann besitzen. Achtsamkeit muss geübt und gepflegt werden, weil wir sie sonst wieder verlieren. Das Herzstück in der Schulung von Achtsamkeit ist die Entwicklung von Geistesgegenwart und Bewusstheit. Wenn wir uns  auf die Tatsache besinnen, dass unser Erleben immer aus dem besteht, was „gegenwärtig“ ist, wird es offensichtlich, dass die Qualität unseres (Er)-Lebens eng verknüpft ist mit der Qualität unserer Aufmerksamkeit, die wir diesem Erleben in der Gegenwart geben. Achtsamkeit ist eine Fähigkeit, tief ins eigene Innere zu schauen und uns selbst, d.h. unsere Erfahrung zu erforschen.


Achtsamkeitsmeditation 


Die Übung von Achtsamkeit wird Achtsamkeitsmeditation genannt. Mediation ist ein Begriff, der mittlerweile häufig und in verschiedenen Kontexten verwendet wird und somit recht unklar geworden ist. Man kann alle möglichen Ideen davon haben, was Meditation ist  — es gibt diesbezüglich  eine weit gefächerte Vielfalt von Erfahrungen  und  Einflüssen.  Wir  haben  vielleicht  die  Vorstellung, dass es in der Meditation darum geht, Einsicht in frühere Leben zu gewinnen oder die Gedanken anderer Menschen lesen zu können,  den Geist in irgend einen  glücklichen  Zustand zu  versetzen oder in einer  wunderbaren  esoterischen Sphäre zu verweilen, während wir eine Pause von unserem geschäftigen Leben machen und ähnliches mehr. Vielleicht  haben wir die Idee, dass wir mit Meditation abnehmen werden  oder viel Geld verdienen,  dass sie uns Heilkräfte vermitteln kann oder uns zumindest in einen über alle Maßen interessanten und  anziehenden  Menschen  verwandeln wird. Wir sehen das  Wort  Meditation  in Büchern  und Zeitschriften. Wir hören,  wie man in Fernseh-Talk-Shows darüber  spricht und diskutiert. Kein Wunder, wenn sich Verwirrung darüber einstellt, wie und  warum man meditiert. In der klassischen Achtsamkeitsmeditation geht es nicht um solche Effekte. 


Echtes Glück finden


Was ich hier mit Meditation meine: Meditation ist ein Geistestraining, welches hilft, die notwendigen Stärken und Fähigkeiten zu entwickeln, die man zur Lösung seiner eigenen Probleme benötigt. So wie es für die verschiedenen körperlichen Krankheiten unterschiedliche Heilmittel gibt, bieten sich für die verschiedenen Probleme des Geistes entsprechende Meditationsformen an. Achtsamkeitsmeditation dient dazu, die fundamentalsten Probleme des Geistes zu lösen: die Arten von Stress und Leiden, welche durch unsere eigenen Gedanken und Handlungen hervorgerufen werden. Wir streben im Grunde ständig nach Glück und dennoch schafft es unser Geist immer wieder, uns durch geistigen Schmerz herunterzuziehen.  Verantwortlich für diesen Schmerz ist unsere falsche Suche nach Glück:  falsche oder einfach ungeschickte Methoden, falsche oder wirre Ziele oder Vorstellungen vom Glück. Wenn wir es schaffen, die Gründe für dieses geistige Verhalten zu enthüllen, dann können wir leichter aus diesem aussteigen. Durch dieses Aussteigen eröffnet uns die Meditation die Möglichkeit, wahres Glück zu erfahren, ein Glüc k, dem wir vertrauen können und das sich nie verändern  oder uns im Stich lassen wird.
Echtes Glück ist also möglich, im Hier und Jetzt, und wir können es durch eigenes Üben erreichen. Wir müssen uns nicht mit einem oberflächlichen Glück oder Vergnügungen zufrieden geben, die uns ohnehin wieder verlassen. Das Leben hat mehr zu bieten, als vorübergehendes Glück. Wir müssen unser Glück auch nicht auf andere Personen aufbauen oder auf Kräfte die außerhalb  in uns selbst liegen.
Wir können unserem Geist beibringen, ein vollkommen verlässliches Glück zu finden, ohne uns selbst oder irgend jemand anderem zu schaden.

Ab 12. September findet ein Einführungskurs über 4 Abende in die Achtsamkeitsmeditation in der Theravadaschule am Fleischmarkt in 1010 Wien statt, den ich leiten werden, statt. Weitere Infos HIER

Harald Reiter, Lehrender an der Theravadaschule Wien ( Achtsamkeitsmeditation, Einsichtsdialog)


Quellen:

  • Ajahn Amaro, “ Den fehlenden Frieden finden“, 2016
  • Ajahn Sucitto, „Mediation – Ein Weg des Erwachens“, 2016
  • Analayo Bhikkhu – „Der direkte Weg“, 2010
  • Reiter Harald, Abschlussarbeit Lehrgang Resilienz, „Achtsamkeit und Resilienz“, 2017
  • Thanissaro Bhikkhu, „Mit jedem Atemzug“ , 2015

Powered by WordPress.com.

Nach oben ↑